Frau Rieder sass
völlig aufgelöst im Vernehmungszimmer. Trauer und Wut wechselten sich
sekündlich ab. Roland und Stefan hatten sie kurz davor mit dem Viagra
konfrontiert, nun warteten sie vergeblich auf eine Stellungnahme.
Schliesslich war es
wieder Roland, der ungeduldig wurde: „Sie hatten also keinen Geschlechtsverkehr
mit ihm am Morgen vor der Tat?“
Frau Rieder
schüttelte den Kopf und schluchzte: „Ich hatte schon lange
keinen...keinen...Franz hatte jegliches Interesse an mir verloren.“ Sie heulte
verzweifelt auf.
„Hatten Sie niemals
den Verdacht, er könnte Sie hintergehen?“, fragte Roland unbeirrt weiter.
„Natürlich.“, gab
Frau Rieder zu, ihr Blick wechselte von verzweifelt zu wütend, sie hob ihre
Stimme: „Daher war ich ja auch in diesem blöden Fitness-Sauna-Studio. Ich hab
doch gewusst, dass dieses Flittchen vom Empfang meinen Mann verführte. Ich
hab’s gewusst, ich hab’s gewusst.“
„Was macht Sie so
sicher, dass es Frau Winkler war?“, erkundigte sich Roland.
„Schauen Sie sich
die doch mal an: Die mit ihren aufgespritzten Lippen, den aufgeblasenen Brüsten
und den künstlich verlängerten blond gefärbten Haaren! Die schreit doch
förmlich danach, von einem Mann bestiegen zu werden. Ich hätte meinem Mann
bloss nicht zugetraut, dass er sich auf ein solches Niveau herablässt, aber
schlussendlich musste seine männliche Natur überhand genommen haben.
Lächerlich!“
„Haben Sie sonst
irgendwelche Anhaltspunkte dafür, dass Frau Winkler die Geliebte ihres Mannes
war?“, forschte Roland weiter.
„Ich hab die beiden
nie in flagranti erwischt, wenn Sie das meinen. Doch so oft wie mein Mann in
die Sauna ging, da muss einfach was gelaufen sein...er war früher überhaupt
nicht der Typ für Sauna, Wellness oder Fitness! Das hat er erst begonnen, seit
ihn Martin vor etwa vier Jahren dahin mitgenommen hatte. Und es wurde immer
häufiger.“
„Seit wann hegten
Sie den Verdacht, dass er nicht nur wegen des Schwitzens ins Studio ging?“,
fragte Stefan.
„Ich war von Anfang
an skeptisch. Wie gesagt, er hat sich sonst nie für solche Dinge interessiert.
Aber vor etwa einem Jahr hatte es sich dann noch verschärft. Er hatte
jegliches...“, Frau Rieder zögerte, „jegliches sexuelles Interesse an mir
verloren.“
„Wir werden dem
natürlich nachgehen. Könnten Sie sich noch eine andere Kandidatin für eine
Liebschaft mit Ihrem Mann vorstellen?“, erkundigte sich Stefan.
Frau Rieder
schluchzte laut und schüttelte den Kopf und meinte traurig: „Ich hoffe nicht,
dass es da noch mehr gab! So kenne ich meinen Mann gar nicht...“, sie
schüttelte erneut den Kopf und weitere Tränen kullerten über ihre Wangen:
„Nein...so kannte ich meinen Mann
nicht.“, korrigierte sie sich selbst und schluchzte erneut.
„Sie waren ja zur
Tatzeit auch vor Ort.“, stellte Roland vorsichtig fest.
„Glauben Sie etwas
ich könnte meinen Mann ermordet haben?“, empörte sich Frau Rieder, „Was
erlauben Sie sich eigentlich? Ich kam um zwölf Uhr, das kann ihnen Frau Winkler
auch wenn intelligenzfrei bestätigen, ausserdem habe ich ja zugegeben, dass ich
das Gespräch von meinem Mann und der...der...Person belauscht habe. Etwas nach
eins kam Herr Küng zu mir, wobei ich mich mit ihm ebenfalls unterhalten habe,
was auch er ihnen bestimmt versichern wird und schlussendlich als ich ging, war
mein Mann bereits in der Sauna, aber Herr Felder kam und hat mich gehen sehen.
Ich kann es also offensichtlich nicht gewesen sein.“
Roland nickte dazu
nur, ihm war jedoch durchaus klar, dass man sich früher oder später mit diesen
Alibis durchaus nochmals beschäftigen könnte, denn sie waren weder hieb- noch
stichfest.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen