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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Dienstag, 16. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 16

Es klopfte an die Tür und unaufgefordert trat Stefan ein.
„Mann, das war vielleicht anstrengend!“, beklagte dieser sich bei Roland, der an seinem Schreibtisch sass und über seinen Notizen brütete.
Als Roland keine Anstalten machte, Mitgefühl zu zeigen oder genauer nachzufragen, fuhr Stefan fort: „Das könnte man echt schon fast Hysterie nennen! Die Frau fürchtet um Leib und Leben, als ob die ganze Welt hinter ihr her wäre und redet von Zeugenschutzprogrammen. Völlig realitätsfern, sage ich dir!“
‚Wenn der wüsste, was meine Nerven den ganzen Tag durchmachen müssen, seit er hier ist...’, dachte Roland und fragte laut, ohne Mitgefühl für die Strapazen, die Stefan wohl in der letzten Stunde ausgestanden hatte: „Ist was Interessantes rausgekommen?“
„Naja, allzu viel war da nicht zu holen. Aber immerhin hat sie mir gegenüber auch bestätigt, dass sie sich als ‚Frau Brun’ in der Bank ausgegeben hatte, damit niemand ihre Tätigkeit in der Bank mit ihr privat in Verbindung bringen könnte. Ausserdem hätte sie ihren Mann schützen wollen.“
„Hat sie einen Verdacht, wer sie bedroht haben könnte?“
„Natürlich. Für sie kann es nur von Bühler ausgehen. Er wäre der Einzige, der Interesse daran hätte, sie zu bedrohen. Und die Bedrohung hätte ja gelautet, sie solle sich aus den Angelegenheiten anderer halten oder sie müsse mit dem gleichen Schicksal wie Rieder rechnen. Sie selbst hat das sofort auf ihre Recherchen in der Bank bezogen, da sie ansonsten nichts mache, was nicht ganz dem Gesetz entsprechen oder einer Drittperson schaden könnte, behauptet sie jedenfalls.“
„Klingt auch am naheliegensten für mich!“, gab Roland ihr Recht.
„Ja, das ist wahr.“, musste Stefan eingestehen.
„Und was hat sie bezüglich des Reisetickets gesagt?“, Roland deutete auf die Mappe.
Stefan schaute darauf: „Hmm, das Zeichen kommt mir bekannt vor...“, er schüttelte den Kopf, „Egal, Frau Gerber sagte mir, sie wisse nichts von einer Reise. Die letzte und einzige Reise mit Rieder sei diese Expedition gewesen, welche allerdings ihr Mann bei einem guten Freund gebucht habe. Rieder wäre sonst nicht so der Reisetyp, aber sie könne sich durchaus vorstellen, dass ihn seit der Expedition die Reiselust gepackt hätte, es sei so eine wunderbare Reise gewesen. Du kannst dir vorstellen, was daraufhin folgte – heul, heul, heul!“, Stefan verdrehte die Augen, „Meine Güte, ich hab da echt mehr den Seelenklempner gespielt, als den Kommissaren!“
‚Wer weiss, vielleicht spielst du den ja besser!’, lachte Roland in sich hinein.
„Auf jeden Fall sei bei ihr keine weitere Reise geplant, schon gar nicht Australien. Wenn, dann gehe es wieder in eisige Gefilde, denn ihr Mann interessiere sich – leider – nur für kalte Gebiete dieser Weltkugel mit viel Schnee, Gletscher und Eis. Aber sie meinte – neidisch -, dass sie sich vorstellen könne, dass Herr Rieder seiner Frau eine Freude machen und sie überraschen wollte. Wahrscheinlich habe er daher das Schliessfach genutzt.“
„Hmm.“, raunte Roland.
„Mehr war aus der aufgelösten Person nicht rauszukriegen. Ich habe ihr nun gesagt, sie solle vorerst zuhause bleiben und niemanden informieren. Ich habe ihr versprochen, wir würden schnellstmöglich der Spur Bühler nachgehen und sie auf dem Laufenden halten. Ausserdem würde ich noch mit dir“, Stefan wies auf Roland, „besprechen, ob es weitere Massnahmen zu ihrem Schutz brauche.“
„Naja, meiner Meinung nach haben wir keinen Anhalt für eine ernsthafte Bedrohung. Aber wir müssen uns natürlich als allererstes nun um Bühler kümmern.“
„Dieser Meinung bin ich auch. Ich habe ihr auch empfohlen die Tür nicht zu öffnen, solange sie alleine ist. Und natürlich meldet sie sich bei uns, falls erneute Drohanrufe folgen sollten. Ich denke, dann könnten wir durchaus über einen zivilen Polizeischutz nachdenken.“
„Ja. Ich habe übrigens die Kontoauszüge Laura gegeben, vielleicht hat sie schon was und falls nicht, gehen wir trotzdem zu Bühler und konfrontieren ihn mit dem Verdacht.“
Roland erhob sich und ging auf Stefan zu, an ihm vorbei und zu Lauras Schreibtisch.

„Hey Laura!“, rief ihr Stefan hinter Roland zu.
Roland zog die Augenbrauen hoch und sah sich auch zu einem „Hey!“, gezwungen, bevor er mit der ihm auf der Lippe brennenden Frage losschoss: „Hast du schon was?“
Laura zeigte mit beiden Daumen hoch und grinste: „Ja, hätt’s selbst nicht gedacht, dass ich so schnell auf Gold stosse!“
„Du bist halt eine Maschine!“, lobte Stefan, der sich nun neben Roland aufbaute.
‚Schon wieder dieses Geschleime’, Roland knirrschte mit den Zähnen und versuchte so seinen Ärger hinunterzuschlucken.
„Was hast du uns denn für Leckerbissen?“, Stefan machte dazu ein lächerliches Schmatzgeräusch, doch leider schien es Laura zu amüsieren, sie lachte, wurde jedoch bald wieder ernst: „Also, Frau Gerber und Herr Rieder haben echt tolle Vorarbeit geleistet. Da hat wirklich jemand immer wieder von dem einen oder andern Konto mal etwas mehr, mal etwas weniger auf ein Konto verschoben. Es ist erstaunlicherweise immer das gleiche Konto. Und jetzt die Überraschung: Das Konto geht auf den Namen ‚Rohner’.“
Enttäuscht meinte Stefan: „Nicht ‚Bühler’?“
Laura grinste wohlwollend: „Nein, so blöd waren sie dann doch nicht. Aber beinahe. Rohner ist der Mädchenname von Frau Bühler und ich würde mich ja in den eigenen Hintern beissen, wenn hinter den ganzen Betrügereien nicht wirklich das Ehepaar Bühler steckt.“
„Hohoho!“, machte Stefan, „Das würde ich ja gerne sehen!“
„Meine Güte, Stefan.“, entfuhr es Roland, er fasste sich jedoch schnell wieder, „Also haben wir nun wohl ein Treffen mit Herr und Frau Bühler!“


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