Seiten

Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Dienstag, 2. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 2

Mit Stefan im Schlepptau verliess Roland die Sauna. Frau Winkler sass auf einem Stuhl vor der Theke und frischte ihre, offenbar durch Tränen verschmierte, Schminke vor ihrem Taschenspiegel auf. Ihre Hand zitterte dabei. Als sie die beiden Kommissare erblickte, brach sie erneut in Tränen aus.
„Frau Winkler?“, vermutete Roland.
Schluchzend nickte die Frau.
„Dürfen wir Ihnen ein paar Fragen stellen?“, erkundigte sich Stefan.
Frau Winkler schniefte: „Ich werde alles beantworten, so gut ich kann.“
„Das wird uns auf jeden Fall helfen. Kannten Sie Herrn Rieder?“, begann Roland die Vernehmung.
„Er war ein Stammkunde und fast schon Freund des Studios. Er kam jeden Mittwoch von eins bis zwei hier her für eine kurze Entspannungspause, er arbeitet in der Bank, drei Häuser weiter als Schalterangestellter.“
Roland notierte sich ein paar Stichwörter in sein Notizblock und nervte sich innerlich erneut über Stefan, der demonstrativ – so schien ihm – nichts notierte: Er konnte sich schliesslich alles merken.
„War er allein? War sonst noch jemand in der Sauna?“, setzte Roland den Verhör fort.
„Ja, er kam immer allein. Aber es waren noch ein paar andere da.“
„Könnten Sie uns eine Liste mit den Namen und Adressen der Personen geben, die zwischen 12.00 und 15.00 Uhr auch im Studio waren?“
„Sicher, so viele sind es nicht gewesen.“, sie tupfte sich die letzten Tränen weg.
„Kannten Sie Herrn Rieder als Kunde oder als Freund?“ Stefan hatte mit seiner Frage offenbar einen wunden Punkt getroffen, denn Frau Winkler begann erneut zu weinen.
„Fr...Fr....Freund.“ Sie vergrub ihr schönes Gesicht in ihre Hände.
Stefan und Roland liessen ihr ein paar Sekunden Zeit, um sich zu erholen und betrachteten beide die verlockenden blonden Haare, die sie sich nun elegant über die Schultern warf.
Sie schniefte und sagte dann: „Herr Rieder kam seit 4 Jahren regelmässig ins Studio, da lag auch mal das eine oder andere Gespräch drin. Er war echt nett und immer freundlich. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man ihn hätte umbringen wollen.“
„Er hatte also gar keine Feinde?“, schlussfolgerte Stefan ungläubig.
„Nicht dass ich wüsste...Natürlich hatte er den einen oder andern Konflikt. Seine Frau kam häufiger auch in die Sauna, einfach um zu schauen, ob er auch wirklich hier war. Sie ist halt sehr eifersüchtig. Auch mein eigener Freund mochte es nicht, dass ich mich mit Franz so gut verstand. Aber er war wirklich nur ein guter Freund, das habe ich Mark auch immer wieder gesagt. Mark ist halt einfach sehr Mann.“
„Sehr Mann? Was meinen Sie damit?“, fragte Roland nach.
„Nun ja, er muss immer sein Revier markieren und seine Kraft demonstrieren...Aber welche Frau mag so einen Beschützer nicht an ihrer Seite? Und er hat einen wirklich weichen Kern!“
Stefan warf Roland einen vielsagenden Blick zu und grinste verschmitzt.
‚Frauenversteher bist du wohl auch noch?’, dachte Roland und zwang sich, seine Mundwinkeln zu heben. Dass dabei ein Lächeln entstand, hoffte er inständig, war jedoch alles andere als überzeugt davon.
„Sonst keine Personen, die Herrn Rieder hätten Schaden zufügen wollen?“, vernahm Roland Frau Winkler weiter.
„Nein. Franz hat mir gegenüber nie etwas erwähnt und ich bin auch sicher, dass er nie nichts Schlechtes getan hat oder jemanden gegen sich aufgebracht hat, das kann ich mir einfach nicht vorstellen!“, wie um dies noch zu unterstützen, schüttelte sie heftig den Kopf. Ihre blonden Haare wehten dabei mit, als wären sie schwerelos.
Stefan schien für einen Moment die Sprache verloren zu haben. Die blonden Haare schienen ihn zu verzaubern. Roland griente in sich hinein: ‚Was für ein oberflächlicher Jüngling, einfach zu verführen, einfach zu täuschen.’
Roland stand da darüber und setzte pflichtbewusst die Vernehmung fort: „Schildern Sie uns doch kurz, wie der Besuch von Herrn Rieder heute verlaufen ist.“
Frau Winkler begann seufzend: „Franz kam wie immer etwas früher als sonst, um noch etwas zu quatschen. Es muss wohl zwischen halb eins und eins gewesen sein. Um eins öffnete ich ihm die Sauna. Danach ging ich ganz kurz rüber, um mir einen kleinen Salat zu besorgen.“, sie zeigte über die Strasse - durch die grossen Fenster konnte man vis-à-vis einen Lebensmittelhandel erkennen - „Danach kehrte ich sofort zurück. Ich darf den Empfang nicht länger als eine Viertelstunde während meiner Arbeitszeit verlassen. Kurz nachdem ich zurück war, kam, Herr Küng, der sich in unserem Fitness-Raum jeden Mittag eine halbe Stunde auspowert. Frau Rieder war übrigens heute zufälligerweise auch da, sie kam aber bereits um zwölf, ebenfalls fürs Krafttraining. Etwa eine Viertelstunde nachdem Herr Küng kam, ging sie jedoch. Sie begegnete beim Gehen grade noch Mark. Er hat mittags auch nur eine halbe Stunde Pause. Etwa zwanzig Minuten später ging Herr Küng, zusammen mit Mark. Nachdem die beiden gegangen waren, also kurz bevor ich Franz entdeckte, ging ich noch kurz meine Zähne putzen, hinten auf der Toilette.“, dieses Mal deutete sie mit dem Finger in das kleine Zimmer neben der Sauna, an der ein Schild mit der Aufschrift „Privat“ hing. Sie begann wieder zu schluchzen: „Und dann fand ich ihn.“
„Hatte er eine Thermosflasche dabei, als er in die Sauna ging.“

Sie schüttelte weinend den Kopf.

2 Kommentare:

  1. Finds bis jetzt gar nit amateurhaft. Ha also scho Klasse schlaechters uf amazone als gratis Ebook kauft und glaese! Mich hesch jedefalls gfesslet! :-)

    AntwortenLöschen
  2. Je, das froit mi mega, danke! Und i cha sKompliment Imfall nu zrugggeh!

    AntwortenLöschen