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Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 3

Vera Winkler war daraufhin nicht mehr im Stande, weitere Fragen zu beantworten. Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und schluchzte herzzerreissend. Stefan und Roland wechselten betretene Blicke. Kurz darauf bimmelte die Glockentür und ein grosser, muskulöser, braungebrannter Mann betrat das Studio. Roland ordnete ihn sofort in die Kategorie „Fitnesstrainer und Hormonpillenfresser“ ein. Der Mann stürmte sofort auf Frau Winkler zu, ging neben ihr in die Hocke und nahm sie in seine riesigen Arme. Frau Winkler viel fast vom Stuhl und blickte auf und mit einem Stöhnen: „Ach, Mark“ fiel sie in seine Arme und weinte hemmungslos. Väterlich tätschelte Mark ihr den Rücken und murmelte tröstend in ihr Ohr. Dem ratlosen Blick Stefans nach zu schliessen, verstand auch er nicht, was es war, aber es hatte einen beruhigenden Effekt auf die arme Blondine, so dass das Weinen nach und nach wieder in ein Schluchzen überging und schliesslich ganz aufhörte. Der als Mark benannte Mann blickte auf zu den zwei Beamten, die immer noch regungslos hinter ihm standen. Er nickte ihnen beiden zu und grüsste mit einem knappen „Hallo“.
„Hallo.“, erwiderte Stefan, augenscheinlich erleichtert, wieder ins Spiel gekommen zu sein.
Roland grüsste mit einer entsprechenden Kopfbewegung und fragte dann: „Könnten Sie uns ein paar Fragen beantworten?“
„Ich kann es gerne versuchen. Aber ich habe ja noch gar nicht wirklich erfahren, was passiert ist. Vera hat mir nur am Telefon kurz gesagt, dass Franz tot sei. Umgebracht?!“ Mark schaute die beiden Kommissare ungläubig und herausfordernd an.
„Ja, beim Opfer handelt es sich um Franz Rieder und wir haben Hinweise darauf, dass es sich wirklich um einen Mord handelt.“, bestätigte Stefan, „Sie kannten Franz Rieder also auch? Wer sind Sie und in welchem Verhältnis standen Sie zu Franz Rieder?“
„Mein Name ist Mark Felder. Vera ist meine Freundin und Franz Rieder ein Stammkunde im Studio hier und nun ja, ich nenne es fast schon zu guter Freund meiner Freundin.“, er fuhr Vera liebevoll durch die langen Haare und fügte dann missbilligend hinzu: „Wobei von Franz’ Seite bestimmt mehr erwünscht gewesen wäre.“
„Aha, sie standen also nicht ebenfalls in einem freundschaftlichen Verhältnis zu Herrn Rieder?“, stellte Stefan fest. Roland rollte innerlich mit den Augen über diese Bemerkung, ‚Wieder brilliert Stefan durch seine hervorragende Kombinationsgabe’, dachte Roland herablassend.
Auch Mark Felder schien diese Bemerkung zu irritieren, denn er erwiderte nun gereizter: „Was erwarten Sie? Es ist meine Freundin, da muss kein anderer kommen und versuchen, sie mir auszuspannen.“
„Ach, das hat er doch gar nicht getan, wir waren nur Freunde.“, fiel Vera ihm ins Wort.
„Wie auch immer, jetzt ist er ja eh tot.“, sagte Mark hart.
Vera entzog sich sogleich seiner Umarmung und schaute ihren Freund entrüstet an: „Wie kannst du nur so etwas sagen?“
„Tut mir leid, Schatz. Aber ich kann nicht leugnen, dass er mir nicht unbedingt am Herzen lag. Übrigens nicht nur mir.“
„Ihre Freundin hat uns vorhin gesagt, er hätte keine Feinde gehabt.“, bemerkte Roland, „Was meinen Sie denn dazu?“
„Naja, Feinde ist übertrieben. Aber seine Frau war auch nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen. Er scheint gerne in fremde Better zu hüpfen und sich dabei erwischen zu lassen. Anders könnte ich mir ihr Misstrauen nicht erklären. Ausserdem hab ich gehört, dass er in der Bank, in der er arbeitete, auch nicht gerade rosig lief. Aber was da genau vorgefallen war, weiss ich auch nicht.“
„Ach, das war nichts Grosses, er hatte nur eine Meinungsverschiedenheit mit seinem Chef Paul Bühler gehabt. Das hat er mir jedenfalls gesagt.“, erklärte Frau Winkler.
„Wie auch immer.“, Mark zuckte mit den Schultern, „Ich war bestimmt nicht der Einzige, der nicht zur Fangemeinde von Franz gehörte.“
„Wissen Sie sonst noch etwas über Herrn Rieder? Gab es sonst noch jemanden, der ihm Schaden wollte?“, setzte Stefan die Vernehmung fort.
„So gut kannte ich ihn nicht, ich hab mich ab und zu mit ihm etwas ausgetauscht, aber mehr so oberflächliche Gespräche. Seine Frau hat da mehr über ihn preisgegeben. Zum Bespiel das mit dem Zerwürfnis in der Bank, hat sie mir gesteckt. Und sie hat sich hin und wieder bei mir darüber ausgeheult, dass sie sich von Rieder nicht wirklich wertgeschätzt fühlte.“
„Inwiefern?“, fragte Roland.
„Insofern, als dass er vor drei Monaten mit seinem Freund eine Expedition nach Alaska gemacht hat, bei der er sie nicht mit eingeladen hatte, obwohl anscheinend dessen Frau mitgehen durfte. Aber da müssen Sie Sabine besser selbst fragen.“
„Sabine ist dann wohl Herrn Rieders Frau?“, schlussfolgerte Stefan.
Mark Felder bejahte.
„Haben Sie sonst noch irgendetwas Auffälliges beobachtet oder kommt Ihnen sonst etwas Merkwürdiges in den Sinn?“, fuhr Stefan fort.
„Nein, ich hab Franz heute nicht mal zu Gesicht bekommen, war nur ganz kurz da, um Vera hallo zu sagen und was Kleines zu essen. Aber hier war alles ganz ruhig. Als ich eintraf, ging gerade Sabine, die heute ausnahmsweise auch am Mittag zum Krafttraining kam. Ich ass mit Vera was Kleines. Danach kam Roman aus dem Fitnessraum und ich ging mit ihm. Sonst war niemand im Fitnessraum und in der Sauna hockte Franz, oder war bereits tot, wer weiss das schon.“



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